Dienstag, 22. Mai 2007
Bon anniversaire, Hergé!


Der "Tim & Struppi"-Schöpfer Georges Remi alias Hergé (1907–1983) wäre heute hundert geworden.

Natürlich fällt mir kein anständiger posthumer Geburtstagsgruß ein, nur der oben abgebildete Quatsch.

Steven Spielberg und Peter Jackson sind da schon viel witziger. Die beiden planen gerade drei "Tim"-Adaptionen, Computertrickfilme im "Performance Capture"-Verfahren. Das heißt: Bewegungen und Mimik echter Darsteller werden relativ exakt auf digitale Charaktere übertragen. (Der erste "Performance Capture"-Film war meines Wissens der Weihnachtskitsch "Der Polarexpress" von 2004).

Und jetzt kommt's: Jackson, der das Verfahren 2005 in "King Kong" anwandte, gab letzte Woche im Filmbranchenblatt "Variety" bekannt, wie er sich den Look der Figuren vorstelle: "(...) we're making them look photorealistic; the fibers of their clothing, the pores of their skin and each individual hair. They look exactly like real people ---but real Herge people!"

Hunderttausend Höllenhunde, und ich Dummi dachte immer, Hergés Stil, die ligne claire, zeichne sich u. a. dadurch aus, dass stark stilisierte Figuren vor realistischen Hintergründen agierten!

Aber ich will mich hier nicht künstlich echauffieren. Denn, ehrlich gesagt, den 20-minütigen Kurzfilm, den Jackson bereits als Test fabriziert hat, würd ich ja schon gern mal sehen.

Also:

Alles Gute zum Geburtstag, Monsieur Remi.

Nachträglich, gewissermaßen.

 Story-Link





Dienstag, 15. Mai 2007
Mutanten-Musical
Warum "Spider-Man 3" gar nicht so schlecht ist
Okay, ich geb's zu: Ich habe mich bei "Spider-Man 3" blendend amüsiert. Damit gehöre ich zu einer Minderheit (hey, das wollte ich schon immer mal ausprobieren!), denn Sam Raimis Film schlägt in Internet und Presse mehr Feindseligkeit entgegen als dem nun wirklich misslungenen "X-Men – Der letzte Widerstand". Das wurmt mich, denn trotz seines Riesenbudgets (angeblich 258 Mio. Dollar) ist "Spider-Man" immer noch weit von herzlosem Kommerz entfernt. Deshalb gestatte man mir, auch wenn seit dem deutschen Kinostart schon 15 Tage verstrichen sind, ein kleines Plädoyer. [...]

[Weiterlesen?]

 Story-Link





Samstag, 5. Mai 2007
Keinkunst-Milieu
Zur Neuauflage von "Kunsttheorie versus Frau Goldgruber"

Wie der junge "Nicki" Mahler zu seiner Theaterphobie kam.
Aus: "Kunsttheorie versus Frau Goldgruber".

(© 2007 Reprodukt / © 2003 Edition Selene)


Im Herbst 1998 versuchte ich auf einer Bahnfahrt von Köln nach Hannover einen der "Herr Hase"-Comics von Lewis Trondheim zu lesen, gab aber nach zehn, fünfzehn Seiten auf. Nicht etwa, weil der Band schlecht gewesen wäre. Im Gegenteil: Ich musste ständig kichern und spürte nach einer Weile, dass die Umsitzenden nervös zuckten, weil sie mich möglicherweise für einen entlaufenen Geistesgestörten hielten.

Diese Erfahrung teile ich wohl mit so manchem Comic-Freund: Christian Gasser zumindest, Pop-Journalist und Mit-Herausgeber des Schweizer Comic-Magazins "Strapazin", schildert im Nachwort zur Neuauflage von "Kunsttheorie versus Frau Goldgruber" jetzt Ähnliches. Ein schöner Zufall, denn seit besagter Herr Trondheim 1995 sein Meisterwerk "Approximate Continuum Comics" veröffentlichte, bot kein autobiographischer Comic so niveauvollen und zugleich frechen Humor wie Nicolas Mahlers "Kunsttheorie“.

Mahlers Buch erschien bereits 2003 in der Wiener Edition Selene, ursprünglich als Katalog einer Ausstellung. Im April 2007 hat der Berliner Verlag Reprodukt nun die Zweitauflage herausgebracht, für die Mahler eine kurze Fortsetzung gezeichnet hat.

In zwölf Kapiteln, einem Pro- und einem Epilog erzählt der 1969 in Wien geborene Mahler aus seinem Leben. Er plaudert über seine kindlichen Versuche als Autogrammfälscher, die Atelier- und Kneipenfreundschaft mit dem Kollegen Neuwinger, seine Nebenjobs als Videothekar oder Comic-Zeichenlehrer, die Trick-Verfilmung seines Strips Flaschko, der Mann in der Heizdecke" oder die Adaptierung seiner absurden Angestellten-Ballade "Kratochvil" als Puppentheaterstück. Dabei springt er fröhlich zwischen den Zeiten hin- und her und erregt sich mitunter auch kapitellang über Kunstszene, Werbung oder Comic-Conventions. Grundthema ist die Frage "Sind Comics Kunst?", aufgeworfen von der titelgebenden Frau Goldgruber, einer schwierigen, aber keineswegs bösmeinenden Wiener Finanzbeamtin. [...]

[Weiterlesen?]

 Story-Link





Sonntag, 29. April 2007
Tolle-Geschichten

Auf der Flucht vor der deutschen Polizei, kommt
Reporter Tim zu seiner markanten Frisur.
Aus: "Tim im Lande der Sowjets" (1929)

(Art © Hergé/Moulinsart. Translation © Carlsen Verlag)


Knopfaugen, Comic-Krawatte, Hosenbund hoch überm Bäuchlein: Hätte mir jemand erzählt, Michael Farr wäre nicht nur "Tim & Struppi"-Experte, sondern zudem Spezialist für "Mecki", ich hätte es bei Farrs Lesung am Freitagabend glatt geglaubt. Der britische Journalist, Jahrgang 1953, ist neben Benoît Peeters wohl der bekannteste Tintinologe: Er erforscht Entstehung und Hintergründe der Comic-Serie "Tim & Struppi" (im Original: "Les aventures de Tintin") und die Biographie ihres Schöpfers Georges Remi alias "Hergé" (1907–1983). Sein Buch "Auf den Spuren von Tim & Struppi" ist bereits im Dezember 2006 im Hamburger Carlsen-Verlag erschienen, der ja seit 1967 auch die "Tim"-Alben herausgibt.

Anlässlich des bevorstehenden hundertsten Geburtstags von Hergé am 22. Mai hielt Farr am Freitag, 27. April 2007, im Foyer des Carlsen-Verlages einen Vortrag zum Buch. Dabei bescherte die schön altmodisch per Overhead-Projektor illuminierte Rede dem Publikum allerdings auch kuriose Erkenntnisse, die so nicht in dem schmucken Hardcover stehen. [...]

[Weiterlesen?]

 Story-Link





Sonntag, 22. April 2007
"Ilsemann" lebt!

"Mission Fünfter Streich" von Jan Bintakies
im "Ilsemann"-Sonderheft.

(© Jan Bintakies)


"Eins, zwei, drei, im Sauseschritt, läuft die Zeit", und dieser lahmarschige Blogger hier kommt nicht mit. Egal: Seit letztem Sonntag, 15. April 2007, gibt es nach gefühlten 175 Jahren endlich wieder eine Ausgabe des hannoverschen Comic-Magazins "Ilsemann". Oberthema des Sonderheftes ist der diesjährige 175. Geburtstag von Comic-Opa Wilhelm Busch.

Am besten gefallen mir die Beiträge von Bintankies, Schütz und Teuber, die sich auch am engsten am Heft-Thema "Wilhelm Busch" orientieren. Außerdem mit dabei sind die Zeichner Gernod Gayk, Melvin, Michael Fredrich, Jörn Krug, Gregor M. Hoffmann, Kim Schmidt und unter dem Pseudonym "Ron Kruse" auch der Comic-Neurotiker Ihres Vertrauens. Textbeiträge gibt's von Katinka Kornacker und Herausgeber Manfred Ilsemann.

Die "Ilsemann"-Sonderausgabe liegt (ich hoffe mal: noch) in ausgewählten Gastronomiebetrieben sowie den hannoverschen Comic-Läden und im Historischen Museum Hannover aus, in dessen Ausstellung "Wilhelm Buschs Enkel" momentan auch weitere Arbeiten der "Ilsemann"-Zeichner zu sehen sind.

Ansonsten kann man das Heft, so lange der Vorrat reicht, natürlich beim Herausgeber persönlich bestellen.

 Story-Link