
(© Marc Ewert & Legendary Units GmbH)
Wie jedes Jahr seit 1999, suchte ich auch diesen Sommer wieder Ent- und Spannendes auf dem Fantasy Filmfest (Hamburger Termine: 13–20. August). Und siehe da, zwischen all den grimmigen Untoten und gemarterten Jungfrauen fand ich auch den einen oder anderen Comic-Bezug (mal abgesehen von der offenkundigen Nerd-Affinität).
Nach der Vorführung des in Brandenburgs blühenden Landschaften gedrehten Zombie-Dramoletts "Virus Undead" zum Beispiel brachten die Macher (ein John-and-Yoko-ähnliches Regisseurspaar) die Comic-Fortsetzung an den Mann und vielleicht auch an zwei, drei Frauen. Darin geht es, so viel sei verraten, um den Untergang Berlins. Crazy Shit.
Ferner: "My Name is Bruce", die äußerst sympathische Selbstverarsche des B-Darstellers Bruce Campbell ("Tanz der Teufel", "Bubba Ho-Tep"), entpuppte sich als Produktion aus dem Comic-Hause "Dark Horse". Wie ich jetzt sehe, erscheint auch zu diesem Film ergänzende sequenzielle Kunst! Möchte jemand meinen "Virus Undead Inferno"-Comic dagegen eintauschen? Ich sage nur: "Near mint!
Besser noch als "Bruce" (und wesentlich ernster) war freilich "Waltz with Bashir", eine Art Zeichentrick-Dokudrama über den Libanonkrieg und die Massaker von Sabra und Shatila 1982. Auf der Suche nach seinen verdrängten Erinnerungen an diese Ereignisse spricht der israelische Regisser Ari Folman mit ehemaligen Kameraden über die gemeinsame Militärzeit. (In einer absurd-tragikomischen Szene spielt übrigens ein deutsch synchronisierter Porno eine Rolle!)
Die Umsetzung als Animationsfilm ermöglicht es Folman, den dokumentarischen Tonaufnahmen subjektive, mitunter phantastische Bilder hinzuzufügen, wobei seine Traumbilder zum Glück nie pathetisch oder prätentiös wirken. Gerade die Darstellung als Animation ermöglicht dem Zuschauer eine distanzierte Betrachtung: Wir sehen ja Trickfiguren, nicht die realen Betroffenen, nicht einmal Schauspieler. Um so größer ist der Schock, wenn Folman am Ende diese Schranke aufhebt und Archivfilmbilder ermordeter Palästinenser in den Lagern zeigt.
Bei uns startet der Film offiziell am 6. November 2008.

Wer mir in Hamburg auflauern und aufs Maul hauen möchte, weil in diesem Blog wieder einmal so lange nichts passiert ist, für den habe ich reumütig dieses kleine Selbstporträt gefertigt, als Phantombildchen gewissermaßen.
So, nachdem wir jetzt alle herzlich gelacht haben, ha ha ha, kommt die wahre Geschichte hinter dieser bescheidenen Skizze: Dank eines Grafiktabletts kann ich seit kurzem meiner Neigung zum abendlichen Kritzeln auch ohne Schmierpapier frönen. Einserseits 'ne schöne Sache, andererseits ist das Tablett möglicherweise der Grund, warum mein Rechner seit Wochen rumgezickt hat und Anfang letzter Woche dann endgültig abgeschmiert ist.
Klingelingeling, hallo, junger Mann vom Computernotdienst, nehmse mal die Kiste mit, die will nich mehr booten.
Unter Labor-/Werkstattbedingungen lief sie dann dooferweise problemlos. Inzwischen kam sie ohne Befund zurück und funktioniert auch bei mir wieder – erst einmal ohne Tablett.
Die Eisner Awards 2008
Ah, das muss sie sein, die oft beschworene Schattenseite des Ruhms: Niemand traut sich mehr, dir zu sagen, dass du mit deinem neuen Deckel echt bescheuert aussiehst.
Anders kann ich mir jedenfalls nicht erklären, wieso man Frank Miller am 25. Juli bei der Verleihung der Eisner Awards mit einem Hut ans Rednerpult ließ, der wohl an Will Eisners "Spirit" erinnern sollte, unter dem Miller aber wie ein meschuggener Waldschrat hervorlugte (Beweisstück A).
Falls jetzt aber jemand denkt: Du machst dich ja nur über den Miller lustig, weil du den Auftritt gern live gesehen hättest, dann liegt derjenige genau richtig. Die Verleihung der Comic-Oscars auf der Comic-Con in San Diego wurde dieses Jahr nämlich u. a. aus dem Werbe-Etat von Millers zur Weihnachtszeit anlaufender "The Spirit"-Verfilmung gesponsert. Der erste Trailer ließ wenig Gutes ahnen, der zweite ist immerhin schön poppig. Zwar hatte Meister Miller nicht die illustren Femmes fatales des Films dabei, aber immerhin Hauptdarsteller Gabriel Macht und dessen Film-Gegenspieler, den leibhaftigen Samuel L. Jackson.
Auch in anderer Hinsicht war's eine spannende Veranstaltung: [...]
(Juli 2008)
- Wenn man japanischen wilden Rettich sorgfältig schält, schmeckt er fast süß. Schlecht geschälter wilder Rettich schmeckt bitter.
Azuma: Der Ausreißer, Shodoku/Schreiber & Leser 2007 - Angelsächsische Kinderbuchklassiker wie Roald Dahls "James und der Riesenpfirsich" können einer erregenden sexuellen Interpretation unterzogen werden.
Bechdel: Fun Home. A Family Tragicomic, Houghton Mifflin 2006 - Bei der Mund-zu-Mund-Beatmung einer Rennmaus mit Herzstillstand empfiehlt es sich, nicht zu stark zu pusten.
Oliver, Moore u. a.: The Exterminators [3]: Lies of Our Fathers, Vertigo/DC 2007
Der "Watchmen"-Trailer
(in besserer Qualität hier, in HD hier)
Vor einiger Zeit gelang den US-Satireprofis von "The Onion", ihres Zeichens Spezialisten für getürkte Nachrichten, ein kleines Meisterwerk: Auf der Website ihres Fake-Fernsehsenders "Onion News Network" verbreiteten sie die Meldung, Fans des beliebten "Iron Man"-Trailers seien besorgt, weil Hollywood aus dem Trailer angeblich einen ganzen Film machen wollte.
Diese genial verdrehte Online-Ente spukte mir gestern Abend fortwährend im Hinterkopf herum, als ich mir fünf- oder sechsmal den frischen "Watchmen"-Trailer reinpfiff – und sie verdarb mir fast den Spaß. Wie gesagt: "fast", denn Spaß hatte ich durchaus. Der Trailer zu Zack Snyders Comic-Verfilmung gefiel mir mit jedem Mal besser, weil ich immer mehr Bekanntes wiederfand (die panische Reinigungskraft bei Doctor Manhattans Wiedergeburt, das Attentat auf Ozymandias, Rorschachs Besuch in Molochs Küche – wenn auch leider ohne die herrlich bekloppte Kühlschrankszene) oder Neues entdeckte (Oooh, Mama, Silk Spectre sure looks NICE! Eine meiner Lieblingszenen, der erste Kuss von Frau Spectre und Herrn Manhattan, ist auch drin. Erinnert Ihr Euch? "After each long kiss, she plants a smaller, gentler one upon my lips, like a signature.").
Aber zurück zur "Onion"-Ente. Okay, ich mag den Trailer. Aber werde ich auch die geplante abendfüllende Version mögen? Immerhin war ich letztes Jahr auch vom Trailer zu "300" hin und weg, Zack Snyders Adaption von Frank Millers... öhm... Historien-Comic. Da mir 2004 Snyders Remake des Romero-Klassikers "Dawn of the Dead" sehr gefallen hatte, marschierte ich also mit großen Erwartungen ins Kino. Was für eine Enttäuschung! Sicher, Snyder hatte die Farbgebung von Millers Ex-Gattin Lynn Varley brillant übertragen und auch viele Einstellungen exakt aus dem Comic übernommen. Leider lieferte er aber eine reichlich törichte Interpretation ab.
Millers "300" ist, passend zur Heimat der Protagonisten, spartanisch und lakonisch erzählt ("From dear Laconia -- from sacred Sparta -- we march."). Snyders "300" dagegen ist alles andere: Der Regisseur schwelgt optisch in hollywoodesker Opulenz und fügt Millers Story diverse monströse Kreaturen und eine dümmliche Sandalen-Intrige um Königin Gorgo hinzu. Ich will gar nicht erst davon anfangen, dass mehrere dramaturgische und geradezu "filmische" Kniffe des Comics nicht im Film auftauchen. (Bevor wir uns falsch verstehen: Ich bin kein bedingungsloser Miller-Fan. Den Trailer zu seinem 2009 anlaufenden "Spirit"-Film finde ich z. B. nur ärgerlich.)
Anders als bei "300" müssen Snyder und sein Team bei "Watchmen" keine kurze Story aufblasen, sondern eine gigantische eindampfen. Bereits im Trailer weicht Snyder diesmal von der Optik der Vorlage ab: neue Kostüme, keine grellen Farben. Genau das weckt Hoffnung. Snyder verkauft seinen Film diesmal von vornherein nicht einfach als Adaption, sondern vor allem als Interpretation der Graphic Novel. Das ist ehrlich und gescheit. Der Comic von Alan Moore und Dave Gibbons ist ein kaum wiederholbares Vexierspiel. So wie sich in der Maske des Superhelden Rorschach Schwarz und Weiß zu immer neuen Formen fügen, fließen in der Geschichte Realität und Fiktion, Gut und Böse, Hoch- und Trivialkultur in- und auseinander. Die Struktur der Erzählung und ihrer Panels folgt derweil dem Spiegelprinzip von Rorschach-Bildern.
Nur der illegitime Klon-Sohn von Peter Greenaway und James Cameron hätte eine reelle Chance, eine wahres Film-Gegenstück zu diesem Konstrukt zu erschaffen. Aber wenn es Snyder gelänge, auch nur eine Andeutung dieses komplexen Spiels in den Film zu übertragen und dabei immer noch einen spannenden Superhelden-Krimi zu erzählen, dann wäre ich schon begeistert.
