Montag, 14. Juli 2008
The "Empire" Looks Back

Die britische Filmzeitschrift "Empire" (für mich das beste internationale Mainstream-Filmblatt) hat für ihre Website eine schick illustrierte Hitliste der "50 Greatest Comic Book Characters" erstellt. Weil in der Redaktion erwiesenermaßen einige echte Comic-Freaks arbeiten, lohnt es sich, die wohlformulierten Begründungen der Jury sowie ihre Hintergrund-Infos zu Figuren und (etwaigen) Verfilmungen zu lesen.

Natürlich wird fast jeder seine persönlichen Lieblinge vermissen. Wo, bitteschön, sind Arzach, der Spirit, King Mob, Smax, Mitchell Hundred, Sam & Twitch, Mr. Hyde (na klar, die Alan-Moore-Version) und der Goon? Umgekehrt hatte ich von Platz 45, 40 und 27 noch nie gehört.

Die höheren Ränge sind extrem superheldenlastig (okay, es hieß ja auch nicht "The 50 Coolest Comic Book Characters"). Comic-Alben vom Kontinent sind durch gerade mal zwei Nasen vertreten, Manga-Kulleraugen blinzeln gar nur einmal aus der Liste. Dass sich dort allerdings jede Menge very britische Figuren tummeln, ist schon wieder charmant. Auch die Indie-Außenseiter sind intelligent ausgewählt.

Epilog für Erbsenzähler: Echt ein bisschen dusselig sind allerdings die Abstimm-Buttons. Zwar kann man für eine höhere oder tiefere Platzierung jeder Figur stimmen, allerdings wird bei der Auswertung offenbar einfach einer der beiden Werte von 100 abgezogen. So kommt wohl auch das bizarre Ergebnis für den Strahlemann auf Platz 1 zustande. Oder wollen den einige Schlauberger wirklich noch höher eingestuft sehen?

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Montag, 7. Juli 2008
Jetzt noch stranger
Terry Moores neue Serie "Echo"


Julie Martin kommt vom Metallregen in die Traufe.
Aus: "Echo No. 2"

(© 2008 Terry Moore)


Offen gesagt: Ich war mäßig begeistert, als der Comic-Händler meines Vertrauens mir vor einigen Monaten Terry Moores "Echo" ans Herz legte. "Echo" ist der Nachfolger von "Strangers in Paradise", jener mehrfach ausgezeicheten Schwarzweiß-Serie über die ungleichen Freundinnen Francine und Katchoo, die der Texaner Moore 14 Jahre lang geschrieben und gezeichnet hat.

Ende der 90er galt Moores Projekt als Prototyp des intelligenten Comics für die Frau und den aufgeklärten Mann. Nun, dieser aufgeklärte Mann hier hatte es damals gerade mit den etwas doofen, aber irgendwie auch ganz charmanten Babe-Serien "Danger Girl" und "Gen 13" (an letzterer schrieb Moore übrigens 1997 mit). Also setzte ich "Strangers in Paradise" seinerzeit auf meine Liste der "Comic-Klassiker, die ich noch lesen muss". Und das war's dann erst mal.

Inzwischen denke ich allerdings, ich sollte "Strangers" schleunigst nachholen. Denn Moores neues Baby "Echo" macht trotz einiger Macken bislang so viel Laune, dass ich dem klassischen Vorgänger gern eine zweite Chance gebe.

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Dienstag, 1. Juli 2008
Was ich diesen Monat aus Comics gelernt habe
(Juni 2008)
  1. Krollebitches war André Franquins Bezeichnung für all die Sternchen, Tröpfchen, Gewitterwölkchen usw., die in Comics oft in Kopfnähe der Figuren auftauchen und Schmerz, Erstaunen, Ärger usw. symbolisieren. Zur Wortherkunft: Unter krollebitches versteht man in Franquins Heimatstadt Brüssel kleine Löckchen.
    Trondheim/Garciá: Bande dessinée. Apprende et comprende, Delcourt 2006

  2. Bevor man Bekannten zur tollen Urlaubsbräune gratuliert, sollte man sichergehen, dass sie nicht an Nebennierenrinden-Insuffizienz leiden. Diese schwere Krankheit löst eine Überproduktion des Hormons ACTH aus, was wiederum zu einer dunkleren Hautfarbe führt.
    Trondheim: Les petits riens de Lewis Trondheim [1]: La malédiction du parapluie, Shampooing/Delcourt 2006

  3. Die Amerikanische Großschabe (periplaneta americana), ungeliebter Gast vieler US-Haushalte, gelangte erst mit den Sklavenschiffen aus Afrika nach Amerika.
    Oliver/Moore: Exterminators [1]: Käferkiller, Panini 2008

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Samstag, 21. Juni 2008
Browserunabhängig
"Comicgate-Magazin Nr. 3"


Wer tiefstapeln will, muss erst einmal eine gewisse Fallhöhe erreicht haben. Frauke Pfeiffer und Thomas Kögel dürfen sich aber getrost in Understatement üben: Ihr "Comicgate" ist eine der besten deutschsprachigen Websites zur Neunten Kunst. Und wenn sie ihren Printableger "Comicgate-Magazin" im Editorial "zwischen Fachmagazin und Fanzine, zwischen ernsthaft und albern, zwischen Anspruch und Hobbyprojekt" einordnen, um Kritikern prophylaktisch den Wind aus den Segeln zu nehmen, dann haben sie es eigentlich nicht nötig.

Die Website "Comicgate", online seit Sommer 2000, ist kein stromlinienförmiges Informationsangebot à la "Splashcomics", sondern eine wuchernde Mischung aus News, Kritiken, Interviews, Webcomics und Archiven. Neben den ausführlichen Rezensionen deutsch- und englischsprachiger Neuerscheinungen abseits des Mainstream empfehle ich besonders das intelligente Newsblog "Welt am Draht" und seinen frecheren Festival-Ableger "Messe am Draht".

Seit 2006 bringt das Team um Pfeiffer und Kögel einmal pro Jahr sein im handlichen Din-A-5-Format gedrucktes "Comicgate-Magazin" heraus. In der Kombination von Interviews, Rezensionen und exklusiven Comic-Seiten orientiert es sich am Online-Pendant, kommt allerdings in Aufbau und Layout wesentlich aufgeräumter daher und bietet auch Hintergrundartikel.

Zum 13. Comic-Salon in Erlangen ist vor einigen Wochen der dritte Streich erschienen: mit circa 130 Seiten, davon 49 Comic-Seiten, gut eineinhalbmal so umfangreich wie die Vorgänger.
Pièce de résistance ist diesmal Thomas Kögels umfangreicher, gut recherchierter Artikel über "Scanlations & Co": [...]

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Dienstag, 3. Juni 2008
Comic-Salon Erlangen 2008 [Teil 2 von 2]
(Worin das geneigte Publikum erfährt, dass Killerspielfiguren weinen können und dass ein roter Faden manchmal Verwirrung stiftet)

(Fortsetzung von Teil 1)


Der Sinn des Klebens:
Panini-Sticker zum Comic-Salon 2008


Ein bisschen juckte es mich in Erlangen ja doch in den Fingern, immer wenn ich diese Stickeralben sah: Das Klebebild- und Comic-Imperium Panini hatte in Zusammenarbeit mit den Veranstaltern ein Heft erstellt, in das man über 150 Abziehbilder von Künstler und Comics des Salons kleben konnte. Die Bilder gab es bei den entsprechend Ständen, Ausstellungen und so weiter. Alles kostenlos. Eine durchaus clevere Idee, um die Besucher in möglichst viele Bereiche des Salons zu ziehen – und offenbar auch in eine düstere Kneipe, wie die Erlanger Bloggerin Lisa Neun berichtet.

Das Album ließ ich standhaft liegen. Zu lebendig war die Erinnerung an Frust aus Kindertagen, als ich derlei Alben alle Jahre wieder bestenfalls zu drei Vierteln voll bekam. Etwa zwanzig der bunten Bildchen steckte ich zur Erinnerung dann aber doch ein.

Eigentlich war ich ja nach Erlangen gekommen, um etwas ganz anderes zu sammeln: Neun Comic-Bände schleppte ich mit mir herum, damit mir verehrte Künstler was hineinzeichneten und -schrieben. Und das Sammeln signierter Zeichnungen lief dann auch wesentlich besser als die Klebebildjagd anno dunnemals. Erfreulicherweise hatten die Zeichner auch Zeit für einen kurzen Schnack. Und: Es machte Spaß, jene Autoren, die in den eigenen Comics auftreten, mit ihren Alter Egos zu vergleichen. Wer "Olaf G." (avant-Verlag) gelesen hat, jene Mischung aus exzentrischer Biografie (des "Simplicissimus"-Zeichners Olaf Gulbransson) und alkoholisiertem Reise-Tagebuch, erkennt dessen Schöpfer sofort wieder: Die Norweger Fiske und Kverneland wirken so jungenhaft und aufgedreht wie im Comic (wenn auch nicht so kubistisch wie in Fiskes Zeichnungen) und reden mindestens genau so gern über deutsche Klosterbraukunst wie über Comics.


Auch ohne Klosterbräu gut gelaunt:
die Norweger Steffen Kverneland und Lars Fiske


Auf die Frage, was denn als nächstes komme, zog das Duo die norwegische Version des zweibändigen Comics "Kanon" aus einem Umschlag: [...]

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